Bild Banner02 Arbeitsteilung

Die Grundlage für die im Bienenvolk bekannte Arbeitsteilung wird bereits durch das Auftreten der drei Bienenwesen gelegt: Die Königin ist nach der Begattung durch Drohnen für den Nachwuchs zuständig - weitere Aufgaben sind auch für Drohnen nicht vorgesehen, weshalb sie zum Ende des Sommers auch aus dem Volk vertrieben werden. Wenige Tage nach dem Hochzeitsflug, der Begattung, beginnt die Königin mit der Eiablage. Diese Aufgabe bleibt für den Rest ihres Lebens auch die einizige Tätigkeit.

Die restlichen Aufgaben übernehmen die Arbeiterinnen. Innerhalb ihrer Gruppe gibt es verschiedene “Berufsfelder” und je nach ihrem Alter und äußeren Reizen, spezialisieren sie sich auf bestimmte Tätigkeiten, wie das Pflegen der Brut oder das Sammeln von Nektar.

Durch dieses System der Arbeitsteilung ist ein Bienenvolk kurzfristig in der Lage, effektiv und erfolgreich auf sich verändernde Umweltbedingungen zu reagieren. Trachtangebot, Jahreszeit und Wetter, oder die Größe des Brutnestes sind nur einige Reize, die die einzelnen Berufsgruppen beeinflussen und dazu veranlassen, ihre Tätigkeit auszuweiten oder einzuschränken.

Letzte Änderung am:
Montag, 18. August 2014

Jede Arbeitsbiene führt, abhängig von ihrem Alter, verschiedene Tätigkeiten durch. In jedem Alter spezialisiert sich die Arbeiterin auf einen Teil der Aufgaben, die für das Wohlergehen des Volkes notwendig sind.

    1.-3. Lebenstag: Die frisch geschlüpfte Arbeiterin verbringt die ersten Tage vor allem mit dem Putzen von Zellen. Außerdem beginnt sie damit, Pollen zu fressen, um so ihre Futtersaftdrüsen zu aktivieren.

    3.-12. Lebenstag: Durch die Entwicklung der Futtersaftdrüsen im Kopf kann die Arbeiterin nun die Brut füttern - sie wird zur Ammenbiene. Sie übernimmt auch noch weitere im Brutnest anfallende Arbeiten: Sie füttert die Königin und andere Arbeiterinnen und verdeckelt die Brutzellen.

    10.-20. Lebenstag: Die Arbeiterin verlässt das Brutnest und beginnt mit Arbeiten im umliegenden Bereich des Volkes, wo das Futter aufbewahrt wird. Sie pendelt zwischen dem Flugloch und den oberen Waben hin und her, um von Sammelbienen den Nektar abzunehmen, gibt Enzyme zu und lagert ihn in Vorratszellen ein. Während dieser Zeit frisst sie auch vermehrt Pollen, was zur Entwicklung der Giftdrüse führt. Vor allem im Frühjahr und Sommer entwickeln sich bei Arbeiterinnen in diesem Alter die Wachsdrüsen, um neue Waben zu bauen, Honig einzulagern und das Brutnest zu erweitern. Außerdem stampft sie Pollen ein, belüftet den Stock durch Flügelfächeln und hilft als Wächterbiene, das Flugloch zu bewachen.

    20.-40. Lebenstag: Nachdem die Arbeiterin bereits einige Orientierungsflüge unternommen hat, um das unmittelbare Umfeld ihres Volkes kennenzulernen, übernimmt sie im Alter von etwa 20 Tagen endgültig die Aufgabe als Sammelbiene. Die Futtersaft- und Wachsdrüsen werden zurück gebildet und die Arbeiterin sammelt von nun an täglich Nektar, Pollen, Wasser oder Kittharz.

Die oben dargestellte Abfolge der verschiedenen Tätigkeiten ist keineswegs ein starres System, welches jede Arbeiterin durchläuft. Es basiert vielmehr auf Angebot und Nachfrage und die Arbeitsgruppen reagieren auf bestimmte Reize. Dazu einige Beispiele:

    Normalerweise werden Arbeiterinnen etwa ab dem 20. Lebenstag zur Sammelbiene. Bei sehr ergiebigen Trachten jedoch kann es zu einem erheblichen Flugbienen-Mangel kommen. Um dennoch so viel Nektar wie möglich zu sammeln, wird die Arbeitsgruppe Flugbiene einfach aufgestockt: Wesentlich jüngere Bienen “überspringen” Aufgaben, wie Stockwache oder Wabenbau, und werden gleich zur Sammelbiene.

    In einer trachtarmen Zeit, etwa bei anhaltend schlechtem Wetter oder aufgrund weniger Trachtpflanzen in der Umgebung des Volkes, wird die Entwicklung der Arbeiterin zur Sammelbiene hinausgezögert, da kein Bedarf vorhanden ist. Sie führt dafür Aufgaben wie Fluglochwache und das Umtragen von Nektar länger aus. Ebenso können Sammelbienen ihre Futtersaftdrüsen wieder aktivieren und zur Brutpflege beitragen.

    Der Bau von Waben dient zur Speicherung der Vorräte und zur Aufzucht der Brut. Jungbienen entwickeln aber beispielsweise keine Wachsdrüsen, wenn kein Nektareintrag stattfindet oder noch genügend leere Waben vorhanden sind. Erst wenn die Sammelbienen mit viel Nektar einfliegen und beinahe alle Zellen mit Honig gefüllt sind, beginnen die Bienen, ihre Wachsdrüsen zu aktivieren und neue Waben zu errichten.

Diese Beispiele verdeutlichen die Vorteile, die dieses System der Arbeitsteilung mit sich bringt. Steigt das Angebot an Nektar, steigt auch die Nachfrage nach Sammelbienen. Und das Bienenvolk ist in der Lage, darauf schnell und optimal zu reagieren. Das Grundprinzip bleibt immer bestehen, kann aber den Bedürfnissen angepasst abgewandelt werden.