Bild Banner02 Nektar und Honig
Letzte Änderung am:
Montag, 18. August 2014

Bienen sammeln nicht nur den Nektar der Blütenpflanzen, um daraus Honig herzustellen. Auch der sogenannte Honigtau dient als Rohstoffquelle. Vor allem die Honigtautracht des Waldes spielt hier eine wichtige Rolle. Verschiedene Baumläuse, die sich am Stamm oder in den Ästen der Bäume ansiedeln, stechen die Leitungsbahnen der Wirtspflanze an und produzieren aus dem zuckerhaltigen Pflanzensaft den Honigtau. Dieser wird von Bienen, Ameisen und anderen Insekten gesammelt. Im folgenden wird die Entstehung des Honigs aus Nektar erklärt.

PhotosyntheseAls Nektar bezeichnet man den Siebröhrensaft von Pflanzen. Damit dieser entstehen kann, sind eine Reihe von Abläufen und Umwandlungsprozessen nötig.

Der Ausgangsstoff Zucker wird durch die Photosynthese gebildet. Dabei wird mithilfe des grünen Pflanzenstoffs Chlorophyll, Sonnenlicht, Wasser und Kohlendioxid der Stoffwechselprozess in Gang gesetzt, bei dem Sauerstoff, Wasser und Zucker produziert wird (siehe Abbildung).

Der so entstandene Traubenzucker (Glucose) wird nun von den Blättern in die Leitungsbahnen der Pflanze abtransportiert. Dafür wird eine weitere Zuckerart, der Fruchtzucker (Fructose), angelagert. Diesen so entstandenen Zweifachzucker nennt man Saccharose, der jetzt in die Nektardrüsen der Blüten geleitet wird. Der abgegebene Nektar besteht bis zu 80% aus Wasser, die Zuckerkonzentration variiert zwischen 5 und 80%. Daneben sind außerdem Aroma-, Mineralstoffe und Vitamine enthalten.

Biene mit PollenZu welchem Zweck produzieren Blüten Nektar? Im Laufe der Evolution haben sich Blütenpflanzen und Insekten einander angepasst, da Pflanzen für eine erfolgreiche Fortpflanzung bestäubt werden müssen. Einige Pflanzen, wie Fichten und Gräser werden durch den Wind bestäubt - ihre Pollen haben kleine Luftsäcke ausgebildet, um möglichst weit zu fliegen. Andere jedoch sind auf eine Bestäubung durch Insekten angewiesen. Der Nektar dient dabei als “Lockmittel”: Bienen oder Hummeln werden durch den süßen Pflanzensaft angelockt und während sie mit ihrem Rüssel den Nektar saugen, bleibt im Haarkleid der Insekten Pollen haften (siehe Bild). Diesen tragen sie dann von einer Blüte zur nächsten und bestäuben die Blüten somit “nebenbei”. Der restliche Pollen wird mithilfe der Beine aus dem Haarkleid gekämmt und am letzten Beinpaar zu kleinen Kugeln geformt. Kehrt die Biene von ihrem Sammelflug zurück, streift sie die Pollenkörner ab und stampft sie in eine Wabenzelle. Der Pollen ist lebenswichtig für ein Volk, da er die Eiweißversorgung der Brut sicherstellt.

Blüten und Bienen erweisen sich als eingespieltes Team: Je mehr Nektar die Pflanze absondert und je mehr Zucker dieser enthält, um so intensiver wird sie von Biene und Co. besucht. Dadurch steigt natürlich auch die Chance auf eine erfolgreiche und großflächige Bestäubung. Die Sammelbienen richten sich auch nach dem “Tagesrythums” der Blüte: Sonnenblumen beispielsweise produzieren vor allem in den Vormittagsstunden viel und zuckerreichen Nektar - Linden hingegen vorwiegend am Nachmittag. Somit konzentriert sich die Sammelaktivität der Bienen in der Sonnenblume eben am Vormittag.

Honigwabe02Während eines Sammelfluges besucht eine Biene mehrere Blüten - wie viele genau, das hängt von der Nektarmenge ab, die eine Blüte abgibt. Zum Transport des gesammelten Nektars dient ein spezieller Honigmagen, der sich im Hinterleib der Biene befindet und ein Fassungsvermögen von etwa 50-60mm³ hat. Nachdem dieser gefüllt ist, fliegt die Sammelbiene zurück zu ihrem Volk, welches sie dank ihres hervorragenden Orientierungssinns präzise wieder findet. Dort angekommen, gibt sie den Nektar an Stockbienen ab und fliegt wieder aus. Die Aufgabe der Bienen im Volk besteht nun darin, das überschüssige Wasser aus dem Nektar zu verdunsten, indem sie einen kleinen Tropfen auf ihrem Rüssel verteilen. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt, bis der Wassergehalt unter 20% liegt. Dabei werden auch körpereigene Stoffe zugegeben, die den Mehrfachzucker wieder in Fruchtzucker und Traubenzucker zerlegen. Nach dieser Reifung wird der Honig in Zellen eingelagert und mit einem Wachsdeckel verschlossen. Dies ist das Zeichen für uns Imker, dass der Honig geerntet werden kann.